2017 June 26


Die Geschichte des Institutes für Medizinische Chemie

Die Universität "Franz Joseph" zu Kolozsvár (Klausenburg) wurde 1921 nach dem Abkommen von Trianon zwangsmäßig aus Siebenbürgen nach Szeged umgesiedelt. Dank drei berühmten Persönlichkeiten der Zeit, die an der Umsiedlung gearbeitet haben,ist der Traum der Szegeder in Erfüllung gegangen: In sämtlichen öffentlichen Gebäuden der Stadt, die der Universität übergeben wurden, konnten die aus Kolozsvár kommenden Professoren mit der Arbeit anfangen. Die drei berühmte Männer waren Kunó Klebersberg, der Minister für Bildung und Kultur von Ungarn, Bischof Gyula Glattfelder und der damalige Bürgermeister der Stadt, Somogyi Szilveszter.

Das Institut für Medizinische Chemie befand sich zunächst in der heutigen Kálvária Straße, in einer Berufsschule. Als leitender Professor wurde Béla Reinbold ernannt, der früher 20 Jahre lang im anatomischen Institut der Universität zu Kolozsvár gearbeitet hat. Sein Spezialgebiet waren Experimente in der Biochemie der Haemoglobin und der Gallenfarben. Er nahm an der Umsiedlung aktiv teil, er nahm sogar Führungspositionen an: 1922-23 war er als Dekan, 1923-24 und 1927 als Rektor der Universität tätig.

Orvosi Vegytani Intézet Szeged Dóm tér

Nach dem Tod Professor Reinbolds blieb das Institut für Medizinische Chemie ohne leitende Person. Zu dieser Zeit  - 1928 - arbeitete Albert Szent-Györgyi mit Hilfe eines Rockefeller-Stipendiums im Institut für klinische Chemie von Hopkins in Cambridge. Seine Versuche erzielten die Antwort auf die Grundfrage der damaligen Biochemie, und zwar das Kennenlernen der Oxidationsvorgänge als grundlegende Energiequelle der Lebewesen. Auf Aufsuchung des Ministers Klebersberg nahm Szent-Györgyi den Posten an der Spitze des Institutes an, das er von 1930 bis 1945 leitete. Er fing mit der Gründung der "Schule der Biochemie" mit großer Begeisterung an, und diese Begeisterung zog viele begabte junge Forscher ins Institut an. Es befindet sich seit 1935 in der Universitätsgebäude am Dóm Platz, das von Béla Rerrich entworfen wurde.

Szent-Györgyi Albert Nobel-díja

Am Anfang führte Szent-Györgyi seine Forschungen fort, mit denen er in Cambridge angefangen hat. Aus dieser Epoche stammt eines seiner wichtigsten Forschungsergebnisse, die Entdeckung der Hexuronsäure (Vitamin C), die er aus den für diese Region typischen Paprikaschoten gewann. Ebenfalls in dieser Zeitspanne - 1937 - bekam er den Nobelpreis für seine ärztliche und anatomische Tätigkeit, was als Krönung seiner Laufbahn galt. Dieser Nobelpreis ist bis heute der einzige, nach dessen Übernahme der Ausgezeichnete in seine Heimat nach Ungarn zurückkehrte.

Szent-Györgyi Albert szobraAlbert Szent-Györgyi bekam den genannten Preis für die Ergebnisse auf dem Gebiet der Forschung der biologischen Oxidationsvorgänge, vor allem aber für die Fumarsäulenkatalisis und für die Entdeckung der Bedeutung des Vitamins C.

Der Lehrstuhlleiter Albert Szent-Györgyi schenkte der körperlichen und geistigen Entwicklung seiner Studenten und jungen Kollegen viel Aufmerksamkeit, er bereitete sie auf ein ausgeglichenes und gesundes Akademikerleben vor. Sein Engagement für die öffentlichen Angelegenheiten, die Menschenwürde und die Freiheit zeigte sich in den Jahren 1934-35, als er als Dekan, und 1941-42, als er als Rektor der Universitat war. Diese seine Haltung zeigte sich auch später am Ende des 2. Weltkrieges, bzw. danach, wahrend der Diktatur.

1945 wurde er Leiter des Instituts für Medizinische Chemie der Universität zu Budapest, ein paar Jahre später verließ er das Land, und kam in den USA an. Seine Tätigkeit hat die Stadt Szeged mit folgenden Auszeichnungen anerkannt: 1937 wurde er Ehrenbürger der Stadt, 1938 und 1973 Ehrendoktor der Universität. Außerdem erhielt er auch die bedeutende ungarische Auszeichnung, die sog. Corvin-Kette.

Corvin lánc

Nachdem Szent-Györgyi das Institut verlassen hatte, wurde es von Brúnó F. Straub geleitet. Von 1949 bis 1980 war András Krámli der Institutsdirektor, der als einer der Pfadfinder der ungarischen Forschungen in der Biotechnologie gilt. Neben dem Weiterarbeiten der zur Zeit der Professoren von Szent-Györgyi und Straub gegründeten biochemischen Arbeitsgruppen existierten neue, von András Krámli ins Leben gerufene Forschungen, die mit der Produktion und der Syntese von Hormonen, Vitaminen und anderen biologisch aktiven Molekülen im Zusammenhang sind. Das Institut bekam 1952 den Namen "Institut für Medizinische Chemie und Biochemie", und später, 1962 wurde die biochemische Abteilung unter dem Namen "Institut für Biochemie" selbständig.

Der Nachfolger von András Krámli war Kálmán Kovács, der aus dem Lehrstuhl für Organische Chemie kam, und die Forschungen der Peptidchemie einbürgerte - dieses Thema blüht auch heute noch. Zu erwähnen sind noch die radioaktive Markierung der Peptidhormone die rationale Synthese der Kolecistokinin (Cholecistochinin?) und die Entwicklung der Metoden der Radioimmunossay. 1989 wurde Botond Penke mit der Leitung des Instituts beauftragt, und zu seiner Zeit kamen neben die seit langem existierende Forschungen neue, und zwar die der neurodegenerativen Krankheiten, die Synthese der veränderten Peptiden, die Peptid- und Eiweißanalitik, Proteomik und die Nukleotid-Chemie. Seit 2005 leitet Gábor Tóth das Institut, das sich neben den oben genannten Themen mit der theoretischen Chemie, dem Gebrauch der ß-Aminosäure und der Konformationsuntersuchung der Peptide beschäftigt.

Neben dem Institut existiert eine Forschungsgruppe der Ungarischen Akademie der Wissenschaften mit der Leitung von Botond Penke (Forschungsgruppe der Eiweißchemie, seit 2007 eine Forschungsgruppe von supramolekülaren Stoffe und von Stoffen mit Nanosystem).

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